Generation Babyboomer meets Generation Y

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Ich bin jetzt 36, verheiratet, zwei Kinder und in Vollzeit erwerbstätig, damit befinde ich mich mitten drin im Leben, neudeutsch auch als die Rushhour of Life bezeichnet. Gedrängt und angespornt von uralten und neuen Erwartungen versuche ich zumindest ansatzweise die wichtigen Dinge in meinem Leben richtig geordnet unter einen Hut zu bringen; ein täglicher Spagat zwischen Erwerbs- und Care-Arbeit, die drohende Altersarmut, den Rechtsruck und fast am schlimmsten: immer den Selbstoptimierungswahn vor Augen.

Meine Mutter war in diesem Alter mit drei Kindern nicht erwerbstätig, erst mit der Trennung durchlebte sie dann voll das Vereinbarkeitsproblem, holte ihren Studienabschluss nach und startete in die Erwerbsarbeit, sie hat die Kurve spät bekommen, aber uns drei Töchtern durch ihren Weg unmissverständlich die Mahnung erteilt: Nie abhängig werden, erst recht nicht von einem Mann.

Wo alte Abhängigkeiten mittlerweile längst passé sind, erlebe ich neue, subtilere Ansprüche. Das Vereinbarkeitsmantra ist fest verankert. Frau hat das nur zu wollen, hört bloß auf mit den Klagen.

Die Vorstellungen meiner Großeltern, als Erzählungen vom Großen Anpacken und Aufsteigen direkt nach dem Krieg können mir keine Orientierung mehr bieten, auch die unvoreingenommene Experimentierfreude meiner Eltern, mit Lebensentwürfen um einen esoterischen Öko-Kommunismus herum, Reformpädagogik, Impfkritik und Ahnungslosigkeit in finanziellen Dingen sind für mich weitgehend erledigt. Aufgewachsen in der Sorglosigkeit der sogenannten geschichtslosen Nullerjahre habe ich mich bei jeder sich bietenden Gelegenheit im Protest geübt, die Zuschreibung Generation Golf, X, unpolitische Jugend, konnte ich daher nie teilen, ich bin Jahrgang 82 und damit schon Generation Y. Mein Interesse an Sozialphilosophie und Wirtschaftspolitik führte mich aber zunächst zu der monokulturellen Wirtschaftswissenschaft, aus dem vielleicht naiven Wunsch heraus, die Sache vom Ende her angehen zu wollen: Restriktionen, bzw. die Narrative der Knappheit genauer unter die Lupe zu nehmen, um dann besser auf eine erfolgreiche gesellschaftliche Architektur hinwirken zu können. Den passenden Job dazu muss ich mir noch entwerfen.

Später lernte ich über meinen Mann viele ostdeutsche Lebensgeschichten kennen, die zunächst häufig im Widerspruch zu meinen bisherigen Vorstellungen und meiner politischen Sozialisation standen. In der neuen Familie gab es fast alles, vom strammen SEDler bis zur katholischen Trutzburg, viel Pragmatismus und deutlich weniger Idealismus. Auch diese Begegnungen halfen mir, jenseits von Links-Rechts-Schemata eine komplexere liberale Sichtweise zu entwickeln.

Was ich mir bewahrt habe: Das Träumen von einer besseren Zukunft…

Gudrun Kaufmann, geb. 1982

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