Hauptsache gesund!?

Jahreswechsel-Gedankenzu einem unbedachten Wunsch

 „Wenn die gute Fee dir einen Wunsch –nur einen! – erfüllen würde, was würdest du dir wünschen?“ Diese Frage stelle ich Interviewpartnern gerne am Ende des Gesprächs. Und in 95 Prozent aller Fälle lautet die Antwort: „Gesundheit!“ Meistens spontan, hin und wieder nach einigem Überlegen, aber nie zweifelnd. Und interessanterweise von Menschen jedes Alters. Vom 64-jährigen Oberkellner, der seit über 40 Jahren ebenso treu wie leidenschaftlich seinen Dienst am Gast versieht, wie von der 15-jährigen Rollkunstläuferin, die ihr junges Leben der Disziplin auf Rollen verschrieben hat. Sie will Europameisterin werden und wünscht sich – Gesundheit von der Fee. Er will noch möglichst lange seine Stellung in der Sterne-Gastronomie halten und wünscht sich – Gesundheit.

Als ich vor einigen Jahren damit anfing, diese Frage zu stellen, war es ein Spiel. Jetzt ist Ernst daraus geworden, denn ich mache mir zunehmend Gedanken, was wir eigentlich meinen, wenn wir zum Geburtstag „Glück und vor allem Gesundheit“ wünschen. Wenn wir zum neuen Jahr „Alles Gute – und Hauptsache, du bleibst gesund!“, sagen. Denken wir darüber nach, was wir da sagen oder ist es nur eine Floskel, die wir gehört haben und nachplappern? Was ist mit denen, die krank sind und wissen, dass sie ihre Gesundheit nicht wiedererlangen werden? Wie müssen sie sich fühlen in einer Gesellschaft, die Gesundheit als Ersatzreligion feiert? Was meinen wir, wenn wir über „Inklusion“ sprechen und sie im Kleinen, im Alltag, in unserem Sprechen und Handeln nicht leben?

Ich meine: Wir sollten achtsam umgehen mit dem, was wir sagen und wie wir meinen, was wir sagen oder gar wünschen. Das wünsche ich mir für das neue Jahr!

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