DossierMeinung

Erkenntnisse über Heimat

Dokumentation eines Gesprächscafés zum Thema „Heimat“

Acht Personen sitzen beim DNA-Gesprächscafé am 10. Februar 2019 zum Thema „Heimat“ beisammen. Einige Teilnehmende (mehrheitlich Frauen zwischen Mitte 50 und 80 Jahren) haben Lieder mitgebracht, die sie an ihre Heimat erinnern. Wir hören „Imagine“ von den Beatles und wundern uns, dass ausgerechnet 8 Menschen zusammengekommen sind, die familiäre Verbindungen zu Ostpreußen oder Schlesien haben.

Heimaten im Widerspruch werden durch Liebe vermittelt

„Heimat kann man nicht konstruieren. Sie muss wachsen. Wenn man nicht bereit ist, etwas dafür zu tun, dann wird das nix.“ Diesen druckreifen Satz spricht eine der Teilnehmerinnen aus und fügt dann scheinbar widersprüchlich hinzu: „Ich muss nicht eine Heimat haben.“ Nachdem wir ein Lied von Osho angespielt haben – „Home is where my heart is“ – wird das klarer: Heimat kann auch überall unterwegs mit mir sein. Je nachdem, ob mein geliebter Partner/meine Partnerin mit mir zusammen unterwegs ist. Die Heimat kann jedoch genauso auch zu Hause abwesend sein, wenn dort keine Heimat wachsen kann.

Heimatwurzeln wachsen lassen und erkennen

Heimat, die wächst, muss Wurzeln treiben. Sie sollte im Idealfall leicht zu säen und froh zu ernten sein. Wir spielen das Lied „Marieke“ von Klaus Hoffmann“ und erinnern uns – teilweise unter Tränen – daran, dass sich Heimatwurzeln in geliebten, aber entfernt lebenden Menschen gebildet haben, in Landschaften und Kulturen. Etwas vom Wind der Kindheit, vom Wetter, vom Wald, von der Mentalität und Sprache der vergangenen Heimaten ist gefühlt in unserer Runde anwesend. Später erinnert sich eine Teilnehmende daran, wie sie an Weihnachten alleine am Strand eines Weltmeeres saß und sehnsuchtsvoll „Der Mond ist aufgegangen“ gesungen hat. Ihr wurde klar, dass Heimat etwas Vertrautes ist. Etwas, das sie in der Fremde schmerzlich vermisste. Wer also etwas über Heimat lernen will, befremde sich!

Gebrochene deutsche Heimaten als Chance

Viele von uns kennen auch die gebrochene deutsche Heimat. Eine der Teilnehmenden bringt es auf den Punkt: „Wir haben Sehnsucht nach Gemeinschaft, aber hassen Konformität.“ Danach lauschen wir dem Lied „Andre, die das Land so sehr nicht liebten“ von Zupfgeigenhansel und eine lebensweise ältere Frau spricht von ihrer ersten und zweiten Heimat. Damit Heimat an jedem Ort neu entstehen kann, fordert sie Offenheit und Neugierde gegenüber den Andersdenkenden. Insofern, denkt der Philosoph in mir, muss ich mich wagemutig auf andere einlassen und kann dann Heimat als geschenkt bekommen, aber nicht einfordern.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.