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Liebes Altern

Du gibts mir die Freiheit, die Kraft und den Mut. Mit Dir zusammen kämpfe ich mich zunemend mehr frei, ich selbst zu sein. Ursächlich ermöglichen mir meine Selbsttranszendenz und mein Idealismus weit über vormals unmöglich Geglaubtes hinauszukommen – ich habe mich von engen Wänden befreit, gelernt, weite Ebenen zu durchschreiten und im Dunkeln ohne Licht zurechtzukommen. Aber auch Scheitern gehört zwangsläufig zu diesem Prozess dazu. Sind die Ursachen hierfür in meiner Sozialisation zu verorten oder ist mein periodisch wiederkehrendes Scheitern gar in fatalistischer Weise durch meine Gene vorprogrammiert?

Mit dieser Doppelfrage bin ich zunächst auf zwei verschiedene Antworten gestoßen. Die eine Antwort lehrt mit dem erlittenen Scheitern umzugehen, die andere verspricht das Scheitern in Zukunft auszuradieren.

Zum Umgang mit dem Scheitern liefert mir das Buch „Anleitung zum Unglücklichsein“ von Paul Watzlawick vielfältigste Anregungen. Verfilmt als sommerleichte Komödie steht es derzeit auf Youtube zum Ansehen bereit.

Etwas brutaler stellen die Anleitungen zur gezielten Verhaltensänderung nach behavouristischer Art die Verältnisse auf den Kopf. Ihr Credo lautet: Menschliches Verhalten lässt sich programmieren. Die Art des Prgrammierens wurde lernfähigen Labormäuse abgeschaut. Es funktioniert im besten Fall durch Belohnungen, aber auch durch Leid und Strafen.

Dann aber habe ich etwas sinnvolleres als diese beiden Anworten entdeckt: die gelungenen Liebesbeziehung zwischen Scheitern und Freiheit. Eine Liebe aus dem Grunde, das ich als freier Mensch notwendig periodisch scheitern werde. Zur gelungenen Liebesbeziehung gehört dann zunächst, wachsam für mein Scheitern zu sein und es aus seinem Versteck zu locken, ohne es in selbstdestruktiver Weise herbeizusehnen. Beim achtsamen Ansehen will ich es neugierig bestaunen, besser kennenlernen und es schließlich als emotional, kogninitiv und strukturell zugehörig anerkennen.

Vielleicht erhellt ein abschließender Blick auf die Beziehung zwischen Leben und Tod meine Kunst, das Scheitern selbst zu verführen. Das Leben hängt bekanntermaßen eng mit dem Tod zusammen und es scheitert regelmäßig im Tod. Aber auch umgekehrtes gilt: Wenn der Tod das Leben braucht um sich zu vollziehen, dann altert der Tod so lange vor sich hin bis zum richtigen Zeitpunkt aus ihm heraus das Leben entsteht. Genau so will ich den Zusammenhang zwischen Freiheit und Scheitern verstehen.

Sollte Sie der obenstehende Text zu eigenen Gedanken über ihre Liebe zum Hässlichen, Freiheit zum Scheitern oder zum Versagen angeregt haben, dann schreiben Sie mir bitte oder kommentieren meinen Text direkt hier im DNA-Blog.

Herzlichen Dank und liebe Grüße,

Nils Adolph

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