„Wohnen für Hilfe“ auch Azubis, Berufsanfänger/innen und ältere Alleinstehende

Nils Adolph
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Das Programm läuft seit 2002 und war von Anfang ein Erfolg: Unter dem Namen „Wohnen für Hilfe“ vermittelt das Studierendenwerk Freiburg (SWFR) generationenübergreifende Wohnpartnerschaften zwischen Studierenden und Seniorinnen, Senioren oder Familien. Auf Beschluss des Gemeinderates finanziert künftig die Stadt Freiburg eine neue Stelle zur Vermittlung von Wohnpartnerschaften. Damit können nun auch Nicht-Studierende an „Wohnen für Hilfe“ teilnehmen. Ab sofort haben auch Azubis, Berufsanfänger/innen und ältere alleinstehende Menschen Zugang zu Wohnpartnerschaften mit Seniorinnen und Senioren.
Viele ältere Vermieterinnen und Vermieter möchten zwar in der angestammten Wohnung bleiben, empfinden mit der Zeit aber die Belastung einer großen Wohnung oder eines Hauses als zu groß und wünschen sich Unterstützung im Alltag. Im Gegenzug entsteht durch die Wohnpartnerschaften für die Mieterinnen und Mieter günstiger Wohnraum.
So trägt „Wohnen für Hilfe“ als Baustein dazu bei, den angespannten Wohnungsmarkt in Freiburg zu entlasten. Seine erfolgreichen Grundzüge und neuen Ergänzungen haben Renate Heyberger vom Studierendenwerk Freiburg, Boris Gourdial, Leiter des Amtes für Soziales und Senioren, Sabine Recker, Leiterin des Referats für bezahlbares Wohnen, und Anja Schwab vom städtischen Seniorenbüro heute bei einem Pressegespräch vorgestellt.
Dabei wurde deutlich, dass „Wohnen für Hilfe“ ein sehr individuell konzipiertes Projekt ist, das keine Massen bewegt, als Mosaikstein aber – neben Wohnheimen und Privatzimmervermittlung die SWFR-Angebote für Studierende ergänzt. 60 neue Wohnpartnerschaften pro Jahr, von denen manche jahrelang halten, entsprechen einem Studierendenwohnheim, das dann nicht gebaut werden muss.
Das Programm wollte von Anfang an stille Ressourcen aktivieren, also Menschen dazu bewegen, nicht genutzten Wohnraum zur Verfügung zu stellen – und zwar gerade bei Wohnungs- oder Hausbesitzern, die bisher nicht vermietet hatten. Der Erfolg stellte sich rasch ein: Seit 2002 hat das Studierendenwerk rund 1.000 Wohnpartnerschaften vermittelt.

Diese Zahl wird nun vermutlich deutlich ansteigen: Dank eines städtischen Zuschusses von 40.500 Euro pro Jahr wurde die bisher bestehende Teilzeitstelle im SWFR ab dem 1. August in eine Vollzeitstelle umgewandelt. Das erschließt dem Programm neue Zielgruppen. Zum einen wird allen Menschen mit geringem Einkommen preisgünstiger Wohnraum geboten. Zum anderen werden Vermieter/innen im persönlichen Lebensumfeld entlastet, etwa durch Hilfeleistungen, die es zum Beispiel Senior/innen erlauben, länger in ihren Wohnungen zu bleiben. Zu guter Letzt entlastet die Erschließung neuen (vorhandenen) Wohnraums den angespannten Wohnungsmarkt. Denn viele Vermieter/innen, die an „Wohnen für Hilfe“ teilnehmen, würden ohne das Programm und die institutionelle Unterstützung ihren Wohnraum nicht vermieten.
Bisher konnte und durfte das Studierendenwerk nur für Studierende aktiv werden; Anfragen von nicht-studentischen Mietinteressierten wurden nicht erfasst, sondern abschlägig beantwortet. In letzter Zeit hat sich jedoch gezeigt, dass sich die Nachfragen der Studierenden immer mehr auf den Studienbeginn im Wintersemester konzentrieren. Gewünschter Einzug war dann stets zum 1. Oktober.

Die Nachfrage der Senioren dagegen blieb das ganze Jahr über durchgehend und relativ konstant. Dadurch ergaben sich in den übrigen Monaten zunehmend „Lücken“. Jenen Vermieter/innen, die sich dann ans SWFR wandten, konnte das Studierendenwerk keine studentischen Interessent/innen vermitteln, weil alle bereits versorgt waren. Dank der städtischen Unterstützung wird dieser Bedarf nun aufgegriffen. Nicht-studentische Mietinteressierte können jederzeit vermittelt werden.
Durchschnittlich dauern „Wohnen für Hilfe“-Mietverhältnisse bisher nach SWFR-Schätzung zwei bis zweieinhalb Jahre (genaue Zahlen liegen nicht vor, da nicht immer das Ende einer Wohnpartnerschaft gemeldet wird). Im Extremfall gab es aber auch schon Mietverhältnisse mit einer Dauer von sechs oder gar sieben Jahren.

Eine weitere Erkenntnis nach 17 Jahren „Wohnen für Hilfe“: Das Programm ist stadtweit erfolgreich. Aktuell gibt es Angebote in allen Stadtteilen. Am häufigsten werden derzeit Mietverhältnisse in (Reihenfolge nach Häufigkeit) Haslach, Oberau, Wiehre, Herdern, Waldsee, Littenweiler und St.Georgen angeboten.

Derzeit gehören 33 Städte der Bundesarbeitsgemeinschaft „Wohnen für Hilfe – Deutschland“ an. Die Liste umfasst unter anderem Aachen, Bamberg, Bayreuth, Bonn, Bremen, Erlangen, Göttingen, Hannover, Karlsruhe, Kiel, Koblenz, Köln, Münster, Stuttgart und Wuppertal. Freiburg ist aber der Standort mit den meisten Angeboten und den meisten abgeschlossenen Mietverhältnissen.

Übrigens: Inzwischen gibt es in Freiburg auch eine Reihe von Senioreneinrichtungen, in denen Studierende im Programm „Wohnen für Hilfe“ wohnen.

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