Sag mal, wie fühlt sich das an, das Alter?

Nils Adolph
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Dossier zum Rundbrief 12/2019: "Ich kann bis Januar nicht bügeln"

Sind Sie das schon mal gefragt worden? Oder haben Sie je in jüngeren Jahren dazu Ältere befragt? Ich nicht, deshalb wusste ich nicht, dass auch ganz ohne Krankheit das Alter sich meldet.

Tatsache: Alter ist Biologie, also eine körperliche Entwicklung und deshalb spürbar. Die einen nehmen die Veränderungen mit 50, andere mit 80 wahr. Sie entwickeln sich eher schleichend, deshalb wird darüber auch kaum geredet.

Zeit: Endlich aus dem Hamsterrad aussteigen, bis mittags im Nachthemd rumlaufen, fünfe grade sein lassen und in der eigenen Geschwindigkeit leben können. Wenn wir das hinkriegen, dankt der Körper uns das mit mehr Entspannung und guter Laune. Ich weiß, die Leere des Tages kann an uns nagen, uns krank machen. Das hat aber zunächst einmal nichts mit dem Alter zu tun.

Langsamkeit: Irgendwann bemerken wir, dass diese angenehme Entschleunigung zu einer Langsamkeit geworden ist, die die anderen in der Schlange am Supermarkt nervt. Und das stresst dann uns. Es geht aber nicht schneller. In der Stadt haben wir dann manchmal das Gefühl im Weg zu sein. Oder wir ärgern uns, dass wir unsere alltäglichen Aufgaben nicht mehr so effektiv und zügig erledigen. Interessant: die Zeit wird wieder knapper. Daran müssen wir uns erst mal gewöhnen. Schließlich müssen wir für unseren Besuch bei Kindern, Enkeln, Freunden mehr Zeit einplanen. Und für alles andere auch. Die tägliche Routine ändert sich. Wieder einmal.

Unsicherheit: Unabhängig von Krankheiten oder körperlichen Schmerzen führt die zunehmende Langsamkeit unserer körperlichen Funktionen dazu, dass wir uns unseres Körpers nicht mehr sicher sind. Das kann dadurch verstärkt werden, dass ALLES irgendwie weniger wird, unsere Kraft, das Sehen oder Hören, die körperliche Balance, die Reaktionsfähigkeit. Das macht Angst, weil wir uns, oft unbewusst, gefährdet fühlen. Und das zu Recht.

Vorsicht: Instinktiv werden wir (hoffentlich) vorsichtiger. Wenn wir lernen mit diesen natürlichen Einschränkungen bewusst umzugehen, dann ist es einfacher unser Alter so anzunehmen wie es ist, auch wenn wir manchmal traurig, frustriert oder enttäuscht darüber sind. Dazu gehört: Hilfsmittel nutzen, um Hilfe bitten. Mitmenschen können nicht wissen, dass wir Hilfe brauchen. Sie haben auch die berechtigte Scheu sie anzubieten, weil man damit die Intimsphäre eines Menschen überschreiten kann. Wenn wir uns der Veränderungen unseres alternden Körpers nicht bewusst sind, dann verleugnen oder bekämpfen wir sie sogar, was insgesamt die Unfallgefahr erhöht. Oder aber wir bemerken nicht, dass wir uns dadurch instinktiv schützen, indem wir nicht mehr so gerne aus dem Haus gehen und schließlich immer weniger unter Menschen sind.

Schätze und The Voice Senior: Im Folgenden finden Sie Äußerungen von älteren Menschen.

„Ich freue mich, in meinem Leben gelernt zu haben, Krisen als Neuanfänge zu verstehen“ „Menschen und meine Teilnahme am gesellschaftlichen Leben schätze ich im Alter noch mehr“, „Zeit für Ehrenamt“, „mehr Gelassenheit, größeres Einfühlungsvermögen, Nachsicht“, „wunder-bares Gefühl der Freiheit“, „endlich Zeit Neues auszuprobieren“, „Freude über alles, was möglich ist“, „Dankbarkeit für jeden guten Tag“, „Freude am Kleinen, Freude und Zufriedenheit brauchen keine großen Ereignisse und keine Selbstoptimierung“, „meine Lebenserfahrung ist eine Schatztruhe“ … Was können Sie ergänzen?

Was mit und ohne körperliche Einschränkungen im Alter an Kraft und Lebendigkeit möglich ist, können Sie in der Sendung „The Voice Senior“ (Sat1, jeden Sonntag 20.15 Uhr bis 15.12.) erleben.

Obwohl selbst 70, berühren mich die Schicksale und der Mut der auftretenden Menschen sehr. Der Jüngste ist 61, die Älteste 94. Sehr beeindruckend. Wer also immer wieder mal einen Schuss gute Laune oder positive Bilder über das Alter braucht, dem sei diese Sendung dringend empfohlen.

Darcy Ohlsen mit Unterstützung von AltersgenossInnen

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