Wie sähe mein Leben aus, wenn ich heute 50 Jahre älter wäre?

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Junge Gedanken zum Klimawandel und über den angeblichen Generationenkonflikt

Ich bin noch nicht mal 20, Studentin, Sportlerin und Naturliebhaberin. Außerdem eine Denkerin: Ich mache mir nicht selten Gedanken darüber, wie die Welt ein besserer Ort werden könnte. Schlagwörter wie Nachhaltigkeit, Fairtrade, Massentierhaltung, Treibhausgase usw. schwirren durch meinen Kopf.

Es geht los bei der Frage „Was esse ich heute?“ und endet bei „Schalt doch mal das Licht aus!“, dazwischen stelle ich mir immer mal wieder die Frage „Brauche ich das wirklich?“. Besonders diese Frage bereitet mir am häufigsten Kopfzerbrechen, das allgegenwärtige Überangebot überschwemmt mich oft. Dann ertappe ich mich dabei, wie ich meine Zeit verschwende, indem ich nur auf den Bildschirm starre und die neuesten Trends verfolge. Trends, die mich eigentlich überhaupt nicht interessieren. Doch manchmal merke ich es selbst nicht, drücke auf „zum Warenkorb hinzufügen“ und – schwups – landet ein paar Tage später ein weiterer Staubfänger bei mir.

Immerhin versuche ich, mein Leben Stück für Stück von großen Klimasünden zu befreien. Dass ich das nicht komplett schaffe, ist mir bewusst. Jedoch fange ich lieber klein und unperfekt an, um nach und nach dem Ziel Klimaneutralität näher zu kommen.

Momentan beschäftige ich mich mit dem Einrichten meiner neuen Wohnung. Parallel dazu entwickle ich individuelle grüne Alltagsrituale und entdecke dabei bisher unbekannte Facetten meiner Persönlichkeit. Es ist keine große Anstrengung damit verbunden. Ich bin sowieso erst seit kurzem in der Stadt und kann mich komplett neu erfinden.

Doch wie sieht es denn mit älteren Menschen aus? Machen sie sich genauso viele Gedanken wie ich um den Klimawandel? Eigentlich, so denke ich, sollten sie es, denn Klimaschutz geht uns alle an und das heißt: Alle müssen mitanpacken!

Allerdings stelle ich mir die Frage: Wenn ich heute 50 Jahre älter wäre, also Ende 60, hätte ich dann noch Lust mein Leben umzukrempeln? Klar, es spielen viele Faktoren eine Rolle: wie selbständig man noch ist, wo man wohnt, welche beruflichen oder privaten Verpflichtungen man hat und vieles mehr. Aber nur mal angenommen, ich wäre jetzt 68 Jahre alt, wäre gesund und fit, könnte noch fahrradfahren, mich über Aktuelles informieren und würde über ein solides finanzielles Polster verfügen. Würde ich dann meinen Traum von der Weltreise aufgeben, nur weil Fliegen nun verpönt ist? Ich hätte doch mein ganzes Leben darauf hingearbeitet!

Natürlich lässt sich schon durch kleine, kostenfreie Veränderungen wie Mülltrennen oder Wasser- und Stromsparen etwas bewegen. Auch durch den Kauf von etwas teureren Bio-Produkten, leiste ich schon einen Beitrag zum Schutz der Umwelt. Aber würde ich meine Lebenseinstellung um 180° drehen, nur weil eine junge Schwedin dazu aufruft? Würde ich mich bewusst für Bescheidenheit und alternatives Engagement entscheiden, zum Beispiel, indem ich mich Menschen anschließe, die für eine bessere Zukunft eintreten, wie die „Grandparents for Future“? Oder würde ich nur den Fernsehsender wechseln und entspannt meinen gewohnten Lebensrhythmus fortführen? Ich bin mir nicht sicher, wie ich reagieren würde.

Einen kleinen Einblick in das Denken und Handeln älterer Menschen verschaffte mir ein Senioren-Gesprächskreis zum Thema „Was bedeutet Corona für Klimaschutz und Demokratie?“, den der Freiburger Verein „Kommunikation & Medien“ kürzlich online veranstaltete. Die Einstellungen überraschten mich: Die meisten, der mitdiskutierenden Menschen, machen sich regelmäßig Gedanken darüber, was sie noch ändern könnten. Sie versicherten mir, dass es sehr wohl auch zu den dominierenden Gesprächsthemen gehöre, wenn man sich mit Freuden austausche.

Das freute mich sehr!

„Da wird auch mal die Idee vom Griechenland-Urlaub verworfen und durch einen Urlaub in der Region ausgetauscht.“, meinte ein älterer Mann. Aber genauso kam die Aussage „Was soll ich denn noch machen? Ich bin doch schon alt und lebe eingeschränkt!“. Leider kann ich das vollkommen nachvollziehen, besonders in Corona-Zeiten fühlt man sich sowieso oft machtlos.

Ich bin dankbar, dass diese älteren Menschen mir ihren Blickwinkel ein Stück weit eröffnet haben. Ich kann beide Seiten verstehen und spüre immer noch den großen Zwiespalt in mir selbst: Ich kann nicht zweifelsfrei sagen, was ich in ihrem Alter machen würde.

Nichtsdestotrotz ist es meiner Meinung nach am wichtigsten, sich darüber zu informieren, welche Möglichkeiten man hat. Und vielleicht auch mal alltägliche Abläufe zu hinterfragen. Zum Beispiel: Was macht meine Bank mit meinem Geld? Investiert sie in den Kohleabbau? Oder unterstützt sogar die Waffenindustrie? Woher bezieht mein Lieferant die Energie, die ich zum Heizen benötige? Will ich indirekt Atomkraftwerke unterstützen? Wäre es möglich, alternative Reiseformen zu finden, die nicht unbedingt mit umweltschädlichem Fliegen verbunden sind? Würde gemeinschaftliches Leben nicht nur viele Ressourcen sparen, sondern auch Solidarität und Verständnis der Generationen untereinander fördern?

Es gibt viele kleine Rädchen, die man verstellen kann. Und wenn jeder einen kleinen Teil seines Lebens verstellt, ergibt es eine riesige Summe, die den großen Unterschied macht!

Vielen Dank an alle, egal ob jung oder alt, die kleine Veränderungen in ihrem Alltag vornehmen, um den Planeten etwas besser, schöner und gesünder zu machen. Am besten funktioniert es auf jeden Fall gemeinsam!

Wie sehen Sie das? Schreiben Sie mir gerne Ihre Meinung, Lob oder Kritik an:

ina@dieneuenalten.org

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