»Die Politik mit der Vulnerabilität«

Online – Vortrag von Prof. Stephan Lessenich am Do. 5.11.2020 ab 19:30Uhr

Stephan Lessenich hat die gesellschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie von Anfang an beobachtet und in mehreren Veröffentlichungen kommentiert, die eine aktuelle Debatte verdienen. Wir haben uns deshalb gemeinsam mit ihm entschieden, den ursprünglich angekündigten Vortrag zum Thema »Abschaffung des Alters?« auf einen späteren Zeitpunkt zu verlegen. Denn auch unser Blick auf das Alter und die Alten hat sich in der Krise gewandelt. Der medizinische Befund, dass eine Erkrankung mit dem Virus vor allem für ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen gefährlich ist, hat zu fragwürdigen Entscheidungen geführt, die mit der Absicht zum »Schutz« dieser gesellschaftlichen Gruppen begründet wurden, denen eine besondere Verletzlichkeit, also Vulnerabilität, bescheinigt wurde.

Stephan Lessenich’s These dazu: »Mit der Covid-19-Pandemie ist der Begriff der »Vulnerabilität« in den Grundwortschatz des politischen Krisenmanagements eingegangen. Seine zwischenzeitliche Konjunktur konnte glauben machen, dass der Schutz besonders verletzlicher Gruppen zur obersten Maxime sozialpolitischer Intervention geworden sei. Doch war es keineswegs eine pauschale Politik für das Leben, der sich die Regierungen der demokratisch-kapitalistischen Gesellschaften im Kampf gegen Corona verschrieben hätten. Vielmehr praktizierten sie eine Politik mit dem Leben, die sich durch ihre soziale Selektivität und ihre zumindest implizite Hierarchisierung des Lebenswerten auszeichnete. Souverän ist in der Corona-Krise, wer über den Verwundbarkeitszustand entscheidet; das aber sind nicht die Verwundbaren selbst.«

Zusammen mit dem Studium generale und dem Theater Freiburg stellt Stephan Lessenich in der Katholischen Akademie, seine Analyse in Form eines online-Vortrags zur Diskussion stellen. Die Akademie wird in absehbarer Zeit alle Vorträge der Reihe »Konturen der nächsten Gesellschaft« in dieser Form anbieten und hofft auf diese Weise im öffentlichen Gespräch zu bleiben.

»Die Akademie bittet um vorherige Anmeldung über diese Homepage, damit Ihnen der Zugangslink gesendet werden kann. Vielen Dank.«

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