Mythen – Verdrehungen – Falschmeldungen

Gefälschte Nachrichten erkennen
Gastbeitrag von Vinzenz Berg / aus dem Kreis unserer Abonnenten*Innen


Wir alle bekommen gerade in diesem Corona-Jahr sehr viele Informationen im persönlichen Ge­spräch, am Telefon, auf Youtube, WhatsApp, Instagram und vielen anderen sozialen Kanälen. Viele dieser Informationen sind falsch, verdreht, übertrieben oder gar gelogen. Wenn wir nicht erkennen, dass eine Nachricht nicht stimmt, tragen wir ungewollt dazu bei, dass sie sich noch weiter und schneller im In­ternet verbreitet und wir andere Menschen damit in Angst, Unsicherheit oder Empö­rung versetzen. Das muss nicht sein.
Vielleicht sind vorab zwei grundlegende Verhaltensweisen wichtig:

Nicht reagieren – sich beruhigen
Nicht reagieren:
Sehr schnell wird die vermeintlich weltbewegende, umwerfende, lebenswichtige „Information“ weitergegeben oder weitergeschickt.
Besser nicht! Ich weiß ja noch gar nicht, ob diese „Informati­on“ stimmt, auch wenn sie von meiner besten Freundin, meinen Kindern oder meiner Arbeitskolle­gin kommt.
Hier können wir eine wichtige Verantwortung übernehmen, indem wir Informationen nicht weiter­schicken, ohne sie zu überprüfen.

Sich beruhigen:
Viele „Informationen“ können uns – erst recht, wenn wir sie für glaubwürdig halten – in Aufregung, Stress oder Empörung versetzen.
Anhalten! Sich beruhigen. Darüber schlafen. Nur mit klarem Kopf können wir auch klar denken!

Wie können wir gefälschte Nachrichten erkennen?
 
1. Skeptisch sein

Wenn man sich bewusst ist, dass große Krisen auch Menschen anziehen, die die Angst ihrer Mit­menschen ausnutzen, um mit Absicht gefälschte Nachrichten oder gar Lügen zu verbreiten, dann kann die eigene Skepsis hilfreich sein. Und vielleicht starten Sie einmal mit einem

2. Fakten-Check
Werden Zahlen und Fakten der Meldung belegt? Überprüfen Sie, welche Informationsquellen der Artikel nennt. Ein seriöser Verfasser wird immer angeben, woher er seine Informationen hat.

Es gibt im Internet eine Reihe von seriösen Fakten-Findern. Zum einen sei hier auf den Fakten-Fin­der der ARD verwiesen (https://www.tagesschau.de/faktenfinder/), zum anderen auf die unermüdli­che Arbeit von Correcti­v.org. Hier kann man sich auch täglich einen Newsletter abonnieren, der über die neusten Falschnachrichten informiert und sie bis in die letzten Details untersucht (https://correctiv.org/faktencheck/).
Unter „Zuerst denken – dann klicken“ informiert auch die folgende Seite sehr ausführlich: https://www.mimikama.at/
 Es gibt noch einige weitere Möglichkeiten, wie Sie die Nachricht überprüfen können:

3. Sprach-Check
Einen wichtigen Hinweis auf eine verfälschte oder gefälschte Information erkennt man oft schon an Ton und Sprache. Wenn Sie genau hin“hören“, dann können Sie vielleicht bemerken, dass Sie beim Lesen oder Zuhören stolpern, sich wundern, sich „kann das sein“ fragen oder auch misstrauisch werden. Vielleicht merken Sie auch, dass Sie in Stress oder aus dem Gleichgewicht geraten. Polari­sierung, Hetze oder Angst in der Sprache und im Ton können uns anstecken und sind ein Hinweis darauf, dass die Information falsch sein könnte. Oft geht es den Autor*Innen dann um Beeinflussung oder gar Manipulation. Damit können Sie unsere Stimmung und das Zusammenleben in der Gesell­schaft vergiften.

4. Herkunft-Check
a) Sie können prüfen, wer Autor*In des Artikels oder des Videos ist. Ist diese Person eine „Fachfrau / ein Fachmann“ für dieses Thema. Mit wem tritt diese Person zusammen auf? Was hat diese Person noch veröffentlicht? Was steht an­sonsten auf der Website dieser Person?
b) Überprüfen Sie, ob die Meldung aus einer bekannten Zeitung stammt oder ob vielleicht sogar der Zeitungsname erfunden wurde. Steht z.B. anstelle von handelsblatt.com vielleicht handelblatt.com, anstelle von tagesspiegel.de vielleicht tagespiegel.de?
c) Hat die Website ein Impressum? In Deutschland müssen Websites ein Impressum haben. Sie geben Auskunft über den Urheber einer Nachricht. Einer Seite ohne Impressum sollte man kein Vertrauen schenken.
d) Erscheint die Meldung auch auf anderen, bekannten Nachrichten-Seiten? Wer sich im Internet über Nachrichten informiert, sollte möglichst mehrere Seiten besuchen. Eine gute Faustregel ist: Über soziale Medien verbreitete Behauptungen sollte man durch zwei verlässliche Quellen überprüfen.

Wenn Sie sich noch etwas genauer informieren wollen können Sie auch dies tun:
5. Bilder-Check
Bilder sind wichtig. Sie erreichen uns meist intensiver und nachhaltiger als Worte. Zeigen die Bilder und Videos wirklich das, was in der Meldung steht? Über die Google-Bildersuche kann man ein Bild hochladen, um zu sehen, woher es stammt (das funktioniert auch mit Screenshots aus einem Video). Bei gefälschten Nachrichten sind die Fotos meist schon mehrere Jahre alt und stammen aus einem ganz anderen Zusammenhängen.
Und vielleicht ist es bei allen Prüfungen am Wichtigsten, dass wir
Ruhe verbreiten
Die meisten Nachrichten erhalten und verschicken wir in der Regel nicht aus böser Absicht, sondern aus Sorge um Bekannte und Angehörige. Die größte Hilfe bietet man aber, wenn man (mögliche) Falschmeldungen nicht verbreitet, keine Ängste schürt und nicht zu Panik und Empörung beiträgt. Wenn unser eigenes Verhalten Ruhe in den sozialen Medien und Netzwerken fördert, ist das hinge­gen ganz hilfreich.

Um diesem doch sehr ernsten Thema doch auch noch eine erheiternde und unterhaltsame Wendung zu geben, kann ich auch die Seite https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/glaubnichtalles/ empfeh­len. Hier kann man sich mit einem Verschwörungsgenerator seine eigenen Falschmeldungen „basteln“.… Aber vielleicht besser doch nicht weiterschicken…?     🙂

Ich habe mich bemüht, Ihnen hier einige Hilfen zu bieten, wie Sie die unzähligen Meldungen und Nachrichten, die wir täglich erhalten, sortieren können. Die Auswahl ist natürlich durch meine persönliche Einstellung geprägt.
Diese Informationen wurden unter Verwendung der folgenden Websites zusammengestellt:
https://learnattack.de/journal/fake-news-erkennen/ (abgerufen am 28.12.2020))
https://www.anwalt.org/fake-news-erkennen/ (abgerufen am 28.12.2020)
https://www.sueddeutsche.de/medien/coronavirus-informationstipps-1.4846836, (abgerufen am 28.12.2020)
https://www.tagesschau.de/faktenfinder/tutorials/fakenews-erkennen-tutorial-101.html, (abgerufen am 28.12.2020)
Vinzenz Berg   vinzenz-berg@posteo.de

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