Leben im Jetzt und Denken im Tod

Was Dr. Adolph vor seiner Vorstandschaft bei der Sozialgenossenschaft SAGES schon ausfüllte? Seine Tätigkeit als praktizierender Philosoph. Wer ihn aus dieser Zeit kennt, wird sich nicht wundern über solche Überschriften (siehe oben). In den letzten Jahren musste jedoch seine Praxis als philosophierender Soziologe gegenüber dem Aufbau der Sozialgenossenschaft zurückstehen. Seit längerem aber wünsche ich mir wieder mehr schriftlich fixierte Reflexion über alltägliche Erfahrungen. Mit den folgenden vier Aphorismen die ich im Anschluss an die Messe „Leben und Tod“ am 20. und 21 Okt. 2022 geschrieben habe, melde ich mich zurück.

1 Entwertung weltlicher Ziele

Bei der Messe „Leben und Tod“ am 20. und 21 Okt. 22 hatte die Sozialgenossenschaft dank der Unterstützung der Volksbank Freiburg und der P3-Werkstatt einen Messestand. Die Zeit des Sterbens, der Tod und die Zeit darüber hinaus, adressierten wir mit dem Helferportal zwar nur am Rande, aber die uns umgebenden Messestände und Vorträge jedoch um so mehr. Trotz einer Unzahl an Besucher und Aussteller fühlte sich deren Gegenwart jederzeit sicher und geborgen an. Dieses Sicherheitsgefühl hängt sicherlich mit der Entwertung materieller und kurzfristiger weltlicher Ziele zusammen. So etwas kann passieren die der alltägliche Umgang mit Sterben & Co. mit sich bringt. Klar ist jedem der das tut: Niemand muss seinen Gegenüber vom notwendigen und unvermeidbaren Tod, sowie seiner privaten Spekulation darüber überzeugen. Wertvolle Konsequenz davon ist ein Moment das in vielen Gesprächen wiederkehrte: Ein Gegenüber das kurz schwieg, dem Gesprächspartner und sich einen Raum zur Besinnung gab. Ein postexistentielles Moment, um seine eigenen Gedanken zu finden oder zu verlieren um dem Gedanken des Gegenübers auf die Spur zu kommen.

2 Lasset die Kinder zu mir kommen

Meine Spekulationen zum Tod ist derzeit von meine beiden jüngeren Kinder inspiriert, die besonders freundlich auf der Messe empfangen wurden. Ich fühle mich dem Jesus-Wort: „Lasst die Kinder zu mir kommen“ nah. Die Erwachsenen beachteten und staunten wie unbefangen, neugierig und unverstellt die beiden Kids mit dem Themen umgingen die an jedem Stand präsentiert wurden. Sie malten genauso auf Holzsärge mit Dispersionsfarbe wie auf kleine Kiesel mit Lackstift – den Heiligen Geist, das Nichts und Engel. Im Gegensatz zu den Kindern scheinen eher die Erwachsenen ein Problem mit dem Tod zu haben. Insbesondere dann, wenn sie Kindern erklären wollen, was sie selbst nicht verstehen können.

Colors of death

3 Demenz angesichts von Leben und Tod

Angst lösend, befreiend und heilsam war die Messe „Leben und Tod“ auch für meinen Umgang mit Demenz. Dort konnte ich erfahren, was es bedeutet die Lust am Scheitern zu kultivieren. Und im Anschluss an die Messe Leben und Tod kann ich spekulative Sätze wie diese formulieren:

  • Demenz kann bedeuten bewusst zu seinen Fehlern zu stehen, sich an den Fehlern zu erfreuen.
  • Demenz kann bedeuten das schlechte Gewissen und die Erwartungen anderer zu vergessen.
  • Demenz kann bedeuten die Normen zu vergessen, dieses tyrannische „Gesellschaftsetwas“ das mich fortwährend dazu zwingt Dinge zu tun, die ich eigentlich gar nicht tun will.

4 Messe und die Freiburger Mess

Feuerwerk

Im Anschluss an die „Leben und Tod“ ging es mit den Kindern mitten hinein ins pralle Leben der Freiburger Mess‘ die zufälligerweise vor den Messehallen aufgebaut war. Zu den Dingen die ich lieber vergessen würde, gehört die Fahrt mit den dort angebotenen Fahrgeschäften. Sicher, sie bringen Spaß, Furcht, Erschrecken und lassen einen erzittern. Was sie aber sicherlich nicht bringen, ist nachhaltige Freude. Denn mit Beenden der Fahrt ist jedes Fahrvergnügen vorbei. Oder können Sie sich vorstellen, dass ein Sitzplatz in einem „tödliches Geschoss“ ein Ding an sich sein kann, nach dem man ähnlich wie beispielsweise Friede, Liebe oder Gerechtigkeit ein Leben lang strebt? Bestenfalls dienen sie noch als Mittel zu diesen Zwecken.

In diesem Sinne wünscht der philosophierende Vorstand „Love, Peace und Justice“,

Dr. Nils Adolph

 

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